Qualitätsstandards für Ausbildung und Prüfung von Gebärdensprach­dolmetschern

Bis heute haben Gebärdensprachdolmetscher in Deutschland keine einheitliche Ausbildung oder Prüfung. Es gibt inzwischen mehrere Studiengänge beziehungsweise Aus- und Weiterbildungsangebote für Gebärdensprachdolmetscher. Sie unterscheiden sich jedoch stark voneinander und enden mit ganz verschiedenen Abschlüssen. Berufserfahrene Dolmetscher können eine Staatliche Prüfung in Darmstadt ablegen. In Nordrhein-Westfalen werden eine Dolmetscherprüfung vor der Industrie- und Handelskammer und entsprechende Vorbereitungslehrgänge angeboten.

Für Kostenträger (zum Beispiel Krankenkasse, Integrationsamt, Arbeitsagentur) und für Gehörlose ist es aufgrund dieser Vielfalt heute immer noch schwierig zu überprüfen, ob Gebärdensprachdolmetscher tatsächlich eine gute Ausbildung haben beziehungsweise eine gute Leistung erbringen. Die unterschiedlichen Ausbildungen und Prüfungen sind auch für diejenigen verwirrend, die gerne den Beruf des Gebärdensprachdolmetschers erlernen möchten.

Kommission gebildet

Wie in der DGZ berichtet wurde, hat sich Anfang die Kommission zur Qualitätssicherung für die Ausbildung und Prüfung von Gebärdensprachdolmetschern gebildet. Der Deutsche Gehörlosen-Bund hat gemeinsam mit dem Institut für Deutsche Gebärdensprache und Kommunikation Gehörloser (Universität Hamburg) und dem Bundesverband der Gebärdensprachdolmetscher/innen Deutschlands hörende und gehörlose Fachleute in diese Kommission berufen.

In mehreren gemeinsamen Sitzungen wurden die bestehenden Dolmetscherausbildungen und ‑Studiengänge sowie die verschiedenen Prüfungen verglichen. Anschließend wurden die so genannten Qualitätsstandards aufgestellt. Darin werden die Mindestanforderungen an Ausbildungen und Prüfungen für Gebärdensprachdolmetscher beschrieben.

Offizielle Anerkennung nach Selbstverpflichtung

Im nächsten Jahr sollen die Träger von Ausbildungs- und Studiengängen ein Anschreiben und einen Fragebogen erhalten. Sie haben dann die Möglichkeit, selbst zu überprüfen, ob sie die geforderten Qualitätsstandards einhalten beziehungsweise ob sie vielleicht etwas ändern sollten. Anhand der eingereichten Unterlagen (zum Beispiel Ausbildungsplan, Prüfungsordnung) prüft auch die Qualitätskommission, ob alle Anforderungen erfüllt sind.

Wenn die ausbildende Einrichtung außerdem eine Selbstverpflichtungs-Erklärung zur Einhaltung der Qualitätsstandards abgegeben hat, dann kann eine offizielle Anerkennung durch den Deutschen Gehörlosen-Bund und den Bundesverband der Gebärdensprachdolmetscher/innen erfolgen. Dadurch wird man in Zukunft leichter erkennen können, welche Ausbildungsangebote für Gebärdensprachdolmetscher wirklich von guter Qualität sind. Der genaue Wortlaut der Qualitätsstandards ist im Internet unter www.gehoerlosen-bund.de zu finden (unter den Stichworten Dolmetschen und Qualitätssicherung).

Als Prüfung für Gebärdensprachdolmetscher sollen in Zukunft nur noch Hochschulabschlüsse, eine Staatliche Prüfung und die Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer Düsseldorf anerkannt werden.

Dolmetscher sollten Abschluss haben

Über den Umgang mit langjährig erfahrenen Gebärdensprachdolmetschern ohne die genannten Abschlüsse entscheiden weiterhin die zuständigen Auftraggeber beziehung[s]weise Kostenträger. Bisher gab es hier großzügige Übergangsregelungen. Durch die steigende Anzahl ausgebildeter und geprüfter Gebärdensprachdolmetscher und das gewachsene Qualitätsbewusstsein sind hier aber Änderungen zu erwarten. Voraussichtlich werden die Ersatzkrankenkassen (VdAK) und die Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen (BIH) schon im Jahr gemeinsam mit dem Deutschen Gehörlosen-Bund und dem Bundesverband der Gebärdensprachdolmetscher/innen weitere Gespräche zu diesem Thema führen.

Gebärdensprachdolmetscher ohne anerkannten Abschluss sollten sich möglichst schon jetzt um einen entsprechenden Prüfungsabschluss bemühen. Es wäre schön, wenn auch die Landes-Dolmetscherzentralen und andere Arbeitgeber von Dolmetschern das Bemühen um Qualitätssicherung unterstützen.